Mittwoch, 13. Juni 2018
Gleichung mit Unbekannter

Mir ist gerade eingefallen, dass es überhaupt keine Gleichung mit einer Unbekannten gibt. Also ich spreche jetzt nicht von Frauen oder von der Religion. Ich spreche von der Mathematik, von der ich allerdings auch nur begrenzte Ahnung habe. Was ich gegen die Mathematik habe, sind Argumente. Gegen Frauen und Religion will ich überhaupt nichts sagen, obwohl, aber das wäre jetzt wieder ein ganz anderes Thema.

Diese Mathefuzzis jedoch sprechen dauernd von Dingen, die es nicht nur nicht gibt, sondern von denen Sie auch noch jede Menge Ahnung haben. Und das natürlich in einem Tonfall, der verrät, dass sie nicht wissen, dass zwischen Ahnung und Wissen ein himmelweiter Unterschied besteht, und als gäbe es auch überhaupt keine Argumente gegen die Mathematik als solche. Da sollte man im Fernsehen mal eine Talkshow drüber machen.


Humbug

Ich hatte schon in früher Jugend meinem Mathelehrer immer wieder widersprochen. Ich hatte ihm schon damals gesagt, dass es keine imaginären Zahlen gibt, dass die Wahrscheinlichkeitsrechnung der grösste Humbug ist, und lauter solche Sachen. Naja, die Sechs im Zeugnis habe ich halt hingenommen. Zahlen hatten mir eben nichts bedeutet.

Nun aber zu meiner Erkenntnis. Ich war im Lauf meiner geistigen Entwicklung, die ja noch nicht abgeschlossen ist, sondern ständig und sogar immer schneller voranschreitet, bereits zu der Erkenntnis gelangt, dass es nicht nur keine imaginären sondern überhaupt keine Zahlen gibt. Heute bin ich nun zu einem neuen Theorem gelangt, nämlich dem, dass es keine Gleichung mit einer Unbekannten gibt. Ist doch eigentlich ganz logisch, oder?


Augenwischerei

Gleichung soll ja heissen, dass auf beiden Seiten zwar nicht ganz dasselbe, aber wenigstens das Gleiche steht, liegt oder sitzt. Was man jetzt gross oder klein schreibt, wollen wir hier und heute mal hintanstellen. Also, wenn auf der einen Seite eine Unbekannte steht, ob das nun die unbekannte Frau, das unbekannte Wesen oder der grosse Unbekannte aus dem Krimi ist, ist egal. Prinzipiell kann man einfach folgendes feststellen. Wenn auf der einen Seite etwas Unbekanntes steht, dann müsste das, was auf der anderen Seite steht, auch unbekannt sein. Sonst wäre es keine ja Gleichung.

Fazit: Gleichungen mit Unbekannten gibt es nicht, sie sind eine reine Erfindung von Mathematikern.

Quod erat demonstrandum.

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Dienstag, 29. Mai 2018
Heute Nachmittag im Wolftal (Schwarzwald
13. Dezember 2008
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Teppichware
30. August 2007
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Vorhin im Supermarkt habe ich mal umsonst in den SPIEGEL geschaut. Also umsonst nicht im Sinne von vergeblich, sondern kostenlos. Wie die Kinder, die Micky Maus lesen, während Mutti einkauft. Obwohl, das hab' ich schon lange nicht mehr gesehen. Gibt's das noch?

Ich wollte also nur mal nachsehen, ob ich was verpasst habe. Das Inhaltsverzeichnis lockte mich auf einen zweiseitigen Artikel über Dirck Baecker, einen Schüler von Niklas Luhmann. Ich erinnerte mich an ein Buch, das ich mal hatte, und das Das Medium ist die Botschaft hiess. Das war aber von Marshall McLuhan. Ich hatte die beiden, so auf die Schnelle beim Rewe, glatt verwechselt. Geht aber alles in die gleiche Richtung.

Ich habe mich dann nicht getraut, den ganzen Artikel zu lesen, denn ich war in der Nähe der Kasse. Vielleicht hätte die Kassiererin gesagt, dass man angefasste Ware auch kaufen muss oder sowas. Aber ich glaube, das gilt heute auch nicht mehr. Die Leute machen heutzutage, was sie wollen, und lassen sich von niemandem mehr was sagen. Richtig so. Das haben wir doch immer so gewollt.

Jetzt aber zu den zwei letzten Sätzen, auf die ich meine Lektüre beschränkt habe.

Ich las, dass Sprache wie ein Teppich sei. Ein Teppich, den wir vor uns ausrollen und auf dem wir dann gehen, um zu probieren, ob es klappt. Also jedenfalls so ähnlich.

Mehr kann man sich für so viel gespartes Geld nicht merken, jedenfalls ich nicht.

Ich muss also mit diesem einen Satz auskommen, für meinen heutigen Teppich.

Dieser Text ist dann jetzt so ein Dings, wie gesagt, den ich mir selber auslege und auf dem ich wandele.

Ehrlich gesagt, mir wird fast schwindelig. Ob der Boden, auf dem er liegt, hält? Vielleicht ist es ja ein fliegender Teppich?

In diesem Fall winke ich allen zu, die ihn sehen.

Tut mir leid, wenn sie ihn nur von unten sehen.

Aber im Supermarkt gibt's noch welche, für 3,50 Euro.

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Montag, 28. Mai 2018
Striptease oder Augen zu und durch
18. Februar 2009
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Als ich heute den Notarzt sah, musste ich an die Striptease-Tänzerin von gestern Abend denken.

Ich sass – als Besucher – in der Cafeteria eines Krankenhauses, in der auch viel weiss gekleidetes Personal zu Mittag ass. Ein Notarzt hatte einen roten Anorak mit weissen oder gelben Leuchtstreifen an. Er trug sein Essen an mir vorbei an einen freien Tisch und auf dem Rücken deutlich sichtbar das Wort Notarzt, was einige Assoziationen in mir auslöste.

Der Gedanke, dass mir jetzt nichts oder alles passieren könnte, weil der Retter ja ganz nah sei, war eher ein beiläufiger Scherz, den ich mit mir selber machte.

Dann betrachtete ich – ohne dass er es bemerkte – sein Gesicht etwas genauer. Es hatte fast etwas unpersönliches, faszinierte mich. Ein Mann, dem sicher unzählige Menschen ihr Leben verdanken. Wieviele Tote musste er schon gesehen haben.

Ich habe einmal einen Notarzt in Aktion gesehen, der, während der Hubschrauber gerade im Anflug war, in völliger Ruhe die notwendigen Massnahmen traf.

Als der Pilot dann hinzukam, begrüsste er ihn freundlich. Er kannte ihn offensichtlich ganz gut und schien ihn schon länger nicht gesehen zu haben, wie ich dem kurzen Dialog entnahm. Fast hätten die beiden ein Schwätzchen angefangen. Während ich in Panik und völlig hilflos daneben stand. Ich stand nicht nur neben dem Geschehen, sondern auch neben mir selbst.

Als Profi muss man neben sich stehen können, ohne ausser sich zu sein. Die Striptease-Tänzerin gestern Abend sagte zu der Neuen, dass sie während ihrer Performance nichts an sich heranlassen darf. Sonst sei sie verloren. Während sie ihren Strip hinlege, denke sie immer an alles mögliche, zum Beispiel daran, was sie morgen einkaufen oder wann sie sich wieder die Nägel machen lassen will.

Dazu muss man jedoch wirklich Profi sein. Ich habe vor hundert Jahren in Bayern mal eine gesehen, der man anmerkte, wie eilig sie es hatte, die Klamotten loszuwerden, am Ende der Musik wieder einzusammeln, und dann schnell zu verschwinden. So geht es natürlich nicht.

Porno-Darsteller lösen Rechenaufgaben oder gehen anderen eigenen Gedanken nach, die nichts mit der Aktion zu tun haben, die sie gerade durchführen und bei der sie ja so lange wie möglich sich bewegen und standhalten müssen zugleich.

Männer wissen, dass es nicht klappt, wenn man zu sehr daran denkt oder es zu sehr will. Es geht nicht auf Befehl.

Für manche Dinge muss man einfach ein bisschen daneben sein. Und gleichzeitig in seiner Mitte. Und immer die Ruhe bewahren.

Sonst geht nämlich gar nichts.

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Aus den Wolken gefallen
9. Februar 2009
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Womit ich meine Leserschaft beglücken möchte (nach dem, mich selber damit zu beglücken, das zweitwichtigste Ziel meines Schreibens), ist, ihnen neue und eigene Gedanken mitzuteilen, die sie in dieser Form noch nicht gelesen haben, die ihre eigenen schon waren oder erst noch werden, und in denen sie sich wohlfühlen wie ich dies tue, während ich sie niederschreibe.

Ich meine damit Gedanken, die sich bis zum Zeitpunkt des Aufschreibens und dann auch während des Schreibens noch weiter entwickeln, meine ganz eigenen und privaten sind, ohne dass sie sich jedoch um Dinge drehen müssten, die nur mich allein betreffen, und die die Leser schon deshalb nicht interessieren würden, weil sie sie nicht auf sich selber übertragen und in ihr eigenes Leben und Denken integrieren können oder wollen.

Lesen und Schreiben sollen meiner Ansicht nach nicht nur beiden Beteiligten Ruhe und Erkenntnisse vermitteln, die ihnen das Leben lebenswert und interessant machen, sondern auch Lebensgefühle verschaffen, die einerseits über das alltägliche und aktuelle Geschehen, sei es privater oder politischer Natur, hinausgehen, andererseits sich aber doch nur mit diesem auf eine Weise befassen, die allen zuträglich ist, weil sie dazu beitragen, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.

Nun gibt es allerdings nichts Unwichtiges und einiges, was wir dafür halten, ist oft wichtiger als grosse, feierliche oder katastrophale Ereignisse oder Naturkatastrophen, auf die wir letztlich keinen Einfluss haben, weswegen es oft müssig, sinnlos oder gar schädlich ist, sich mehr mit ihnen zu befassen als unserem persönlichen Wohl zu dienen vermag.

Mit diesen Gedanken, beziehungsweise nach deren Niederschrift und mit dem Bewusstsein, dass ich erst den Anfang von dem formuliert hatte, was ich sagen wollte, ging ich gestern Abend, ohne noch ein Buch zur Hand zu nehmen, das mich von ihnen abgelenkt hätte, zu Bett und schlief auch sofort ein.

Beim Aufstehen heute morgen um acht wusste ich noch genau, mit welchen Worten ich das Weiterschreiben beginnen wollte, weil sie mir noch in den Kopf gekommen waren, während ich meine Gutenachtzigarette, im Schneidersitz auf dem Bett, geraucht hatte.

Ich wusste, dass ich den Faden wieder aufnehmen wollte, jedoch nicht, wie ich ihn weiterspinnen würde. An dieser Stelle des Nichtwissens befinde ich mich in diesem Augenblick. Ein neuer Tag beginnt. Ich werde den Himmel fotografieren.

Eine liebe Leserin schrieb mir vor einigen Tagen von ihrer Bodenständigkeit, die sich unter anderem darin äussere, dass es ihr noch heute passiere, dass sie im Keller automatisch zu der Stelle greife, an der sich bis vor fünfzehn Jahren der Lichtschalter befunden hatte.

Ich habe schon sehr oft den Wohnort gewechselt und entdecke so immer wieder den Zauber des Neuen. Dies bezieht sich auf Menschen, auf Wohnungen und manchmal auch auf den Reiz des Tagesbeginns, wenn ich nicht sofort an zu erledigende Arbeiten oder kurz bevorstehende Termine denken muss.

Seit etwas mehr als einem Monat wohne ich unter einem neuen Himmel. Wenn ich von Natur aus bisher nicht sehr bodenständig war, so werde ich von jetzt an vielleicht wenigstens himmelständig.

Ich vermute, dass mir neue Gedanken weniger aus dem Boden wachsen, sondern eher aus Himmeln und Wolken fallen. Oder in ihre Dunkelheit aufsteigen.


"Comme les mots tombaient dans mon journal"
(Wie die Wörter in mein Tagebuch fielen),
für Schreibman gemalt von Franziska Scherer

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