Sonntag, 24. Juni 2018
Schönheiten
20. Mai 2007
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Lange, mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit sogar auffällig lange, bin ich neben ihr gestanden. Mit dem Fotoapparat in der Hand und dem Blick zu dem Gebäude gerichtet, das sie malte.

Immer wieder schaute ich, mal halb verstohlen, auch mal ganz offen, zu ihr hin. Ich traute mich nicht, ihr näher zu treten als das Foto erahnen lässt. Wie gerne hätte ich sie angesprochen und einen Blick auf ihren Zeichenblock geworfen.

Weil ich selber mir nicht gerne über die Schulter schauen lasse, wenn ich schreibe, bin ich davon ausgegangen, dass auch sie mich als störend empfunden hätte.

Ich bin sicher dass ihr Bild, das sie aus der gleichen Perspektive gemalt hat, aus der ich fotografierte, viel schöner geworden ist als meins.

Mehr über die Kapelle von Ronchamp

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Fickende Gläser
4. April 2008
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Neulich war wieder so ein Tag. Mein Auto stotterte und ich verlor meine Brille.

Der Mann in der Werkstatt sagte, das sei die Zündspule. Ich wusste gar nicht, dass ich sowas hatte. Jedenfalls sei Ersatz nötig, so könnte ich nicht weiter fahren.

Spulen und Brillen sind teuer. Vor allem, wenn sie gemeinsam auftreten. Deswegen trug ich die verlorene Brille mit Fassung und sagte mir, wozu habe ich eine Zweitbrille.

Eine Brille ist ja an sich schon zweifach, wenn es nicht gerade die Klobrille ist. Deswegen sagen die Franzosen auch les lunettes und die Engländer fragen Where are my fucking glasses. Das kann man gar nicht richtig übersetzen, jedenfalls nicht jugendfrei.

Neue Erstbrillen verschob ich auf später. Zweitbrillen gehen auch. Hauptsache, sie bleiben sitzen.

Heute kam die Rechnung von der Werkstatt. Zwei neue Zündspulen.

Eine ist wahrscheinlich die Zweitspule.

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Freitag, 15. Juni 2018
Achtung, Achtung!
8. Dezember 2007
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Hier spricht die Polizei. Bitte kommen Sie mit erhobenen Händen heraus. Das Gebäude ist umstellt. Sie haben keine Chance.

Solche Sprüche werde ich mit Sicherheit nicht loslassen müssen. Es ist auch noch gar nicht sicher, dass ich den Job bekomme.

Auf die Bewerbung als Empfangsperson hatte ich ja eine Absage erhalten. Die haben Frauenquote und mir eine "Mitbewerberin" vorgezogen. Obwohl ich überhaupt keine Bewerberin war.

Bei der Polizei suchen sie jetzt nach einem richtigen Kerl wie mir. Jedenfalls habe ich einen Termin zu einem Vorstellungsgespräch. Polizei sucht Literaturwissenschaftler.


Können Sie das lesen? Ich bin Literaturwissenschaftler. Sie sind vorläufig festgenommen.

Dienstrevolver muss ich sicher nicht mit nach Hause nehmen. Sonst könnte ja das passieren, was hier vor zig Jahren tatsächlich mal in einer Kneipe passiert ist. Der Typ hatte seinen Gürtel an die Garderobe gehängt. Am nächsten Morgen kam er verkatert wieder und fragte, ob er gestern Abend seine Pistole hier vergessen hätte. Er hatte.

Früher bin ich ja auch sofort in jede Nebenstrasse eingebogen, wenn ich nur von Weitem so ein grünes Auto sah.

Wenn die das jetzt rauskriegen. Ein Alt-68er als Pförtner. In der Höhle des Löwen.

Die nehmen mich bestimmt nicht.

Wenn die bei der Polizei jetzt schon Leute wie mich einstellen müssen, können sie ihren Laden sowieso bald dichtmachen.

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Heute in Wolfach
8. Juni 2007
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Im Atelier des Malers

Julia, mit bürgerlichem Namen Roland Severin Schuler, ist auch Gärtner.


Im Hintergrund Schreibmans Elternhaus

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Geld, Zeit und Hosen
30. April 2007
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Nehmen wir mal meine Hose. Die habe ich vor einem Jahr beim Kippen-Schmidt in Wolfach gekauft. Ich erinnere mich noch genau an die freundliche Verkäuferin. Sie schaute mich kurz von oben bis unten an, verschwand nach hinten und kam kurz darauf wieder. Ich probierte sie an und sie passte, die Hose.

Daran erinnere ich mich noch sehr genau. Ich weiss allerdings nicht mehr, was sie gekostet hat. Wenn ich jetzt ausrechnen würde, wie oft ich sie inzwischen getragen habe, aber sowas kann man gar nicht ausrechnen. Vor allem die freundlich lächelnde Bedienung und wie sie mich so kompetent abgecheckt hat, das liesse sich erst recht nicht in Geld ausdrücken.

Das ist mein Thema. Geld und Zeit. Vorhin habe ich mir den SPIEGEL gekauft und in einem Strassencafé bei einer Tasse Cappuccino darin gelesen. Wirklich gelesen habe ich nur das Inhaltsverzeichnis, den Hohlspiegel, den Artikel über die Tintinologen - weil ich alle Tim und Struppi-Geschichten gelesen habe, auf Französisch, damals in Belgien - und den über das Buch von Peter Handke in der SPIEGEL EDITION. Dabei erfuhr ich überhaupt erst, dass es letztere gibt, mit schon über 50 Bänden. Werde mal nachschauen, was da ausser Handke noch so angeboten wird.

Eine Stunde war schnell rum. Wenn ich noch die Zigaretten dazurechne, die ich dabei geraucht habe, hat sie mich - ich weiss nicht wieviel gekostet. Kommt noch der Verdienstausfall dazu, denn ich hätte in einer Stunde 20 Euro verdienen können statt 10 auszugeben.

Das kann man aber nicht vergleichen. Denn Zeit hat keinen Preis. Je mehr man davon hat, desto reicher ist man. Obwohl man davon mehr verschwendet als einnimmt.

Das wird jetzt zu kompliziert, um es richtig zu erklären. Ich meine nur, dass die wichtigsten Dinge des Lebens sowohl unbezahlbar als auch überhaupt gar nicht käuflich sind. Wie das Lächeln meiner Hosenverkäuferin. Es war auch gar nicht meine, denn eine Hosenverkäuferin gehört einem nicht. Auch die Zigaretten, die ich beim Vertrinken des Cappuccinos verraucht habe, haben mir nicht richtig gehört. Und wenn, dann nur ganz kurz. So ist das mit allem.

Den SPIEGEL zu kaufen war reine Verschwendung. Aber die Zeit, die ich mit ihm verbrachte, wovon er den grössten Teil unberührt auf dem Tischchen vor mir lag, war mir ein kostenloser Gewinn. Ich schaute viel um mich herum, betrachtete das Treiben beziehungweise die untätig in der Sonne sitzenden Leute auf dem Rathausplatz und dachte über das Besitzen nach.

Das würde jetzt zu weit führen, wenn ich erklären müsste, dass und wie ich zu keinem richtigen Schluss kam. Ich weiss nur noch, dass ich dachte, dass es immer um Geld und Besitz, Kaufen und Verkaufen geht, auch grade wenn man so eine Zeitschrift mit so vielen Anzeigen durchblättert. Wenn man Leute sieht, die sich vielleicht grade was Neues zum Anziehen gekauft haben und jetzt mit einem teuren Handy in einem Strassencafé sitzen und teuer telefonieren oder mit ihren Mitsitzern über Preise oder Handys sprechen. Was das alles kostet.

Von einem neuen Auto will ich gar nicht reden. Oder einem Haus. Sowas ist mir viel zu teuer und kommt für mich nicht in Frage. Selbst mit einem langen Ratenvertrag könnte ich ein Rathaus nicht abbezahlen. Werde jetzt noch eine rauchen.

Die Hose gefällt mir immer noch. So eine kriege ich nie wieder.

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Graphomanie
31. Dezember 2007
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Schreibzwang ist eine der wenigen Krankheiten, von der man nicht gesunden kann und auch nicht gesunden will. Man fühlt sich nur wohl, wenn man sie ausleben kann. So wie ich in diesem Moment. Ich sehe die Sätze vor mir entstehen und hoffe, dass es immer mehr werden.

Ich habe grade den Film Proof angehalten, um ein bisschen zu schreiben. In dem Film hat ein verrückter Mathematikprofessor 103 dicke Notizbücher vollgeschrieben, ich weiss nicht in welcher Zeit. Verrückter Mathematikprofessor finde ich gut. Wenn ich Mathematikprofessor wäre, würde ich auch verrückt werden.

Er ist aber gar nicht verrückt, weil er es weiss. Und einer, der weiss, dass er verrückt ist, der kann es gar nicht sein. Mit seiner Tochter Gwyneth Paltrow hat er ein interessantes Gespräch darüber.

Ich habe von dem Film erst die erste halbe Stunde gesehen und überlege jetzt, ob ich ihn weiter laufen oder zuerst noch was schreiben soll. Das Schreiben macht mir nämlich viel mehr Spass als das Anschauen eines Films. Letzteres dient mir nur als Vorlage und Anregung. Sobald mir nur ein bisschen einfällt, halte ich den Film an und schreibe, auf welche Gedanken ich grade gekommen bin.

Das Wort Graphomanie für Schreibzwang habe ich heute zum ersten Mal gehört. Ich wusste gar nicht, dass das eine Krankheit ist. Ich leide also an einer Krankheit. Wenn es nur diese ist, dann ist das doch prima. Sie tut nicht weh, man hat keinen Durchfall, keine Übelkeit, kein Erbrechen, keine Kopfschmerzen, nichts Schlimmeres.

Nach dieser Theorie wären Schriftsteller einfach nur krank. Hat man schon einmal so einen Blödsinn gehört? Vielleicht schreibt man manchmal Blödsinn. Aber wenn man es weiss, dann kann es eigentlich kein Blödsinn sein.

Jetzt, in Minute 40 des Films, beginnt die unvermeidliche Liebesgeschichte zwischen der Tochter und einem Studenten, der nach dem Tod des Professors dessen hinterlassenen Notizbücher auswertet.

Der Film endet dann im Unendlichen.

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Donnerstag, 14. Juni 2018
Schwarzwälder Kirsch und die Weltwirtschaft
18. April 2008
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Demnächst soll ja die grosse Weltwirtschaftskrise kommen, wo unser Geld dann nichts mehr wert ist. Deswegen raten uns jetzt die Zeitungen und sonstige Medien, unser Geld lieber jetzt noch, naja, wie soll man sagen, zu verjubeln. Nein, genauer gesagt, in Sachwerte anzulegen, also Klamotten und so.

Grade bei Klamotten ist das jedoch sehr kritisch, weil die meistens nach ein paar Wochen oder Monaten schon wieder aus der Mode sind und dann erst in zehn Jahren wieder modern werden. In der Zeit dazwischen sind sie praktisch wertlos und auch bei Ebay nicht loszuwerden.

Man darf also weder zu kurzfristig noch zu langfristig denken, sondern eher so mittel. Habe grade mal im Kühlschrank nachgeschaut. Die Bärenmarke Kaffeesahne hat als Haltbarkeitsdatum März 2009, die Schokolade läuft noch dieses Jahr ab. Ich hatte nämlich schon mit dem Gedanken gespielt, in eine grössere Menge Schokolade und haltbare Milchprodukte zu investieren. Also kurz und gut, so mittelfristig haltbare Sachen sind auch nicht das Gelbe vom Ei.

Dann kam ich auf das Ei des Kolumbus. Schwarzwälder Kirsch. Das betrifft jetzt natürlich nur die Minderheit der Leserinnen und Leser von Schreibmans Kultbuch, die ihr Geld nicht in Gold angelegt hat, ob in den Zähnen versteckt oder in Barrenform. Was letztere betrifft, kann ich nur raten, mal in die Barren reinzuschauen, denn da soll es auch schon böse Überraschungen gegeben haben.

Schwarzwälder Kirschwasser ist praktisch unbegrenzt haltbar, leicht im Keller zu lagern und gesoffen wird immer. Wenn es dann so weit ist, kann man sich für so eine Pulle – gibt’s in verschiedenen Grössen - ein paar Tafeln Schokolade einhandeln, die ja alle Nähstoffe enthält, die man so braucht. Man muss das gefährliche Zeugs also nicht unbedingt selber trinken.

Obwohl, das wäre vielleicht gar keine schlechte Idee, wenn es erst mal so weit ist.

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