Freitag, 15. Juni 2018
Graphomanie
31. Dezember 2007
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Schreibzwang ist eine der wenigen Krankheiten, von der man nicht gesunden kann und auch nicht gesunden will. Man fühlt sich nur wohl, wenn man sie ausleben kann. So wie ich in diesem Moment. Ich sehe die Sätze vor mir entstehen und hoffe, dass es immer mehr werden.

Ich habe grade den Film Proof angehalten, um ein bisschen zu schreiben. In dem Film hat ein verrückter Mathematikprofessor 103 dicke Notizbücher vollgeschrieben, ich weiss nicht in welcher Zeit. Verrückter Mathematikprofessor finde ich gut. Wenn ich Mathematikprofessor wäre, würde ich auch verrückt werden.

Er ist aber gar nicht verrückt, weil er es weiss. Und einer, der weiss, dass er verrückt ist, der kann es gar nicht sein. Mit seiner Tochter Gwyneth Paltrow hat er ein interessantes Gespräch darüber.

Ich habe von dem Film erst die erste halbe Stunde gesehen und überlege jetzt, ob ich ihn weiter laufen oder zuerst noch was schreiben soll. Das Schreiben macht mir nämlich viel mehr Spass als das Anschauen eines Films. Letzteres dient mir nur als Vorlage und Anregung. Sobald mir nur ein bisschen einfällt, halte ich den Film an und schreibe, auf welche Gedanken ich grade gekommen bin.

Das Wort Graphomanie für Schreibzwang habe ich heute zum ersten Mal gehört. Ich wusste gar nicht, dass das eine Krankheit ist. Ich leide also an einer Krankheit. Wenn es nur diese ist, dann ist das doch prima. Sie tut nicht weh, man hat keinen Durchfall, keine Übelkeit, kein Erbrechen, keine Kopfschmerzen, nichts Schlimmeres.

Nach dieser Theorie wären Schriftsteller einfach nur krank. Hat man schon einmal so einen Blödsinn gehört? Vielleicht schreibt man manchmal Blödsinn. Aber wenn man es weiss, dann kann es eigentlich kein Blödsinn sein.

Jetzt, in Minute 40 des Films, beginnt die unvermeidliche Liebesgeschichte zwischen der Tochter und einem Studenten, der nach dem Tod des Professors dessen hinterlassenen Notizbücher auswertet.

Der Film endet dann im Unendlichen.

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