Donnerstag, 5. April 2018
Mythen des Alltags
10. Januar 2011
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Alain Duchet-Suchaux war 16 Jahre alt, kam aus Paris und rauchte Gauloises sans filtre pour la troupe.

cigarette gauloises troupe

Sein Vater war General in Frankreich, mein Vater Oberst in Mönchengladbach. Alain sollte bei uns zwei Wochen lang Deutsch lernen. Das war im August 1968.

Am Tag des Einmarschs in Prag fuhren wir zusammen mit dem Fahrrad zu meinem Gymnasium in Odenkirchen, wo er in meiner Klasse am Unterricht teilnehmen durfte.

Im gleichen Sommer verbrachte ich zwei Wochen in Alains Familie in Paris. Schon vorher hatte ich Sartre und Camus in deutscher Übersetzung gelesen. In Frankreich fühlte ich mich auf Anhieb wohl. Im Sommer davor, im "Summer of love" 1967,

love

war ich zwei Wochen in London gewesen, was ich eher als Ausnahmezustand erlebte.

bouquinistes

Französischer Alltag war mir dann doch lieber.

In dieser meiner Schüler-Zeit las ich auch erstmals in den

Barthes Mythen

"Mythen des Alltags" von Roland Barthes, konnte aber noch nicht viel damit anfangen. Der darin erwähnte Abbé Pierre

abbe-pierre

war mir noch unbekannt, Billy Graham war kein Franzose und die Überschrift "Der neue Citroën" rief in mir das Bild einer 2CV Ente hervor. Das Buch aus der edition suhrkamp hatte keinen Schutzumschlag, auf dem ich eine DS hätte identifizieren können.

Ich interessierte mich auch noch nicht für die Bedeutung von "Beefsteak und Pommes frites". Heute ist es das, was ich im Restaurant am liebsten esse, und zwar "englisch" (blutig, frz. "saignant").

steak-frites

Chrysler PT Cruiser Cabrio
Wenn man die Fesseln vorübergehender staatlicher Sozialhilfe und die damit verbundene Perspektivlosigkeit abgestreift hat, kann man auch wieder nach vorne denken.
Zukunftspläne schmieden.
Auf ein Ziel hinarbeiten.

Chrysler PT Cruiser rot
Meine Gedanken kreisen oft um zwei Arten des Schreibens, die sich nach meinem Gefühl dergestalt einander ausschliessen, dass das Ergebnis darin besteht, dass ich oft überhaupt nicht schreibe.
Die erste ist die autobiografische oder der Tagebuchstil. Ich habe mich schon ziemlich ausführlich und exhibitionistisch veröffentlicht, so dass ein gewisser Mindestbedarf gesättigt ist. Mein Leben besteht nicht aus genügend Abgründen, Abenteuern oder Abnormalität als dass man daraus eine Geschichte machen könnte, die dann irgendwann auf den Theken der Buchhandlungen stapelweise neben der Kasse liegt.
Der zweite ist der philosophische, journalistische oder literarische Stil, der sich mit Themen und Motiven befasst, die ebensogut von anderen Schreibern behandelt werden könnten, weil sie nichts mit mir zu tun haben oder zumindest getrennt von meiner Person existieren oder erfunden werden können.
Ich suche immer nach Möglichkeiten, beide Schreibweisen so miteinander in Beziehung zu bringen, dass daraus eine dritte entsteht.

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